Die Autoren

ist Professor für Physiologische Psychologie an der Universität Bielefeld und leitet die Gedächtnisambulanz der Universität. Seine Forschungsgebiete liegen in den Bereichen von Gedächtnis und Gedächtnisstörungen, Bewusstsein, Emotion und Zeugenglaubwürdigkeit. Er ist Gutachter in Gerichtsverfahren sowie Autor und Herausgeber von mehr als 20 Büchern und mehr als 500 Buch- und Zeitschriftenartikeln.

Hans J. Markowitsch

ist Professor für Physiologische Psychologie an der Universität Bielefeld und leitet die Gedächtnisambulanz der Universität. Seine Forschungsgebiete liegen in den Bereichen von Gedächtnis und Gedächtnisstörungen, Bewusstsein, Emotion und Zeugenglaubwürdigkeit. Er ist Gutachter in Gerichtsverfahren sowie Autor und Herausgeber von mehr als 20 Büchern und mehr als 500 Buch- und Zeitschriftenartikeln.
ist Professor für Strafrecht und Rechtsphilosophie an der Universität Hamburg. Neben der rechtsphilosophischen Grundlagenforschung und der Dogmatik des Strafrechts befasst er sich mit Recht und Ethik in der Medizin und den Neurowissenschaften. Er ist<br />Mitglied der transatlantischen Forschergruppe „The Hinxton Group: An International Consortium on Stem Cells, Ethics &amp; Law“, Hinxton, UK, und Baltimore, USA.

Reinhard Merkel

ist Professor für Strafrecht und Rechtsphilosophie an der Universität Hamburg. Neben der rechtsphilosophischen Grundlagenforschung und der Dogmatik des Strafrechts befasst er sich mit Recht und Ethik in der Medizin und den Neurowissenschaften. Er ist
Mitglied der transatlantischen Forschergruppe „The Hinxton Group: An International Consortium on Stem Cells, Ethics & Law“, Hinxton, UK, und Baltimore, USA.

Das Buch

Neue Erkenntnisse, neue Herausforderungen - Ein Report der Max-Planck-Gesellschaft.<br />Herausgegeben von Tobias Bonhoeffer und Peter Gruss. 304 Seiten, Verlag C.H. Beck, München 2011, 16,95 Euro

Zukunft Gehirn

Neue Erkenntnisse, neue Herausforderungen - Ein Report der Max-Planck-Gesellschaft.
Herausgegeben von Tobias Bonhoeffer und Peter Gruss. 304 Seiten, Verlag C.H. Beck, München 2011, 16,95 Euro [mehr]

Neurobiologie . Rechtswissenschaften

Das Gehirn auf der Anklagebank

4. August 2011

Welche Bedeutung hat die Hirnforschung für Ethik und Recht? Moderne Analyseverfahren wie die Positronen-Emissions-Tomografie oder die funktionelle Kernspintomografie erlauben es erstmals, Verhaltensweisen zu bestimmten Hirnaktivitäten in Bezug zu setzen. Auch wenn wir weit davon entfernt sind, Gedanken lesen zu können, so müssen wir uns doch
fragen, ob und, wenn ja, in welche rechtlichen Verfahren die von der Hirnforschung eröffneten neuen Erkenntnisse Eingang finden können – vielleicht sogar müssen.

Text: Hans J. Markowitsch und Reinhard Merkel

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Insbesondere in den letzten ein, zwei Dekaden führten die immer stärker präzisierten Methoden und Techniken der Neurowissenschaften zur Aufdeckung sehr direkter Zusammenhänge zwischen Gehirn und Verhalten. Gleichwohl lässt sich die Suche nach Beziehungen zwischen Hirntätigkeit und Verhalten bis in die Anfänge nervenärztlicher Praxis zurückverfolgen; schon damals hatte sie Implikationen für die Bewertung von Schuldfähigkeit und Handlungsverantwortung. Bis in die Gegenwart wird etwa Cesare Lombroso als Arzt zitiert, dessen Ausführungen sowohl im forensisch-psychiatrischen wie im juristischen Bereich Aufsehen erregten.

Ein großer Tumor löste pädophile Neigungen aus

Mit Beginn des 21. Jahrhunderts nahm die Anzahl von Fallbeschreibungen massiv zu: In den ARCHIVES OF NEUROLOGY erschien 2003 die von Burns und Swerdlow beschriebene Geschichte eines Familienvaters, der sich plötzlich gegenüber seinen eigenen Kindern pädophil verhielt und deswegen verurteilt wurde. Nachdem er in der Vollzugsanstalt über ständige Kopfschmerzen geklagt hatte, wurde er untersucht und in seinem rechten Stirnhirn ein großer Tumor entdeckt, dessen Entfernung seine pädophilen Neigungen vollständig abklingen ließen, sodass er später wieder normal zu seiner Familie zurückkehrte. Gerade ein solcher Fall zeigt, dass Veränderungen im Gehirn Änderungen im Verhalten zur Konsequenz haben.

Die Verfügbarkeit moderner bildgebender Techniken, wie der Positronen-Emissions-Tomografie (PET) und der statischen und funktionellen Kernspintomografie (fMRT), führte zu einer explosionsartigen Zunahme an Untersuchungen zu Korrelaten zwischen Verhaltensdeviationen wie Pädophilie oder Psychopathie und Änderungen in der Hirnmorphologie oder dem Hirnstoffwechsel. Beide, PET und fMRT, werden inzwischen bei unterschiedlichsten Fragestellungen – von der Lügendetektion bis zur Erfassung malfunktioneller Hirnareale – eingesetzt. In einem Gerichtsverfahren konnte mittels funktioneller Hirnbildgebung gezeigt werden, dass eine junge Frau als Zeugin in einem Mordprozess glaubwürdig aussagte, weil sie die gleichen Hirnareale aktivierte, die andere Menschen beim Erinnern persönlich erlebter Ereignisse aktivieren.

 
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