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Prof. Dr. Dr. Hannelore Ehrenreich

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Publikationsreferenz

Ribbe K, Ackermann V, Schwitulla J, Begemann M, Papiol S, Grube S, Sperling S, Friedrichs H, Jahn O, Sillaber I, Gefeller O, Krampe H, Ehrenreich H
Prediction of the risk of comorbid alcoholism in schizophrenia by interaction of common genetic variants in the corticotropin releasing factor system.

Genetik . Medizin

Stress-Gene aus dem Lot

Max-Planck-Forschern gelingt Risikovorhersage für Alkoholismus

2. August 2011

Wissenschaftler vom Max-Planck-Institut für experimentelle Medizin in Göttingen haben genetische Varianten des sogenannten CRF-Systems, der biologischen Stressachse, bei Schizophrenie-Patienten untersucht. Dieses System, das aus verschiedenen Signalmolekülen und den mit ihnen wechselwirkenden Empfangsstrukturen auf der Zelloberfläche besteht, ist von ganz wesentlicher Bedeutung für die individuelle Antwort auf Stress. Es gelang den Forschern um Hannelore Ehrenreich erstmals eine Interaktion genetischer Varianten innerhalb des CRF-Systems aufzuzeigen, welche einen hohen Aussagewert bezüglich des Risikos von komorbidem Alkoholismus aufweist.
Chronisch gestresste Menschen neigen stärker zu Alkoholismus. Bild vergrößern
Chronisch gestresste Menschen neigen stärker zu Alkoholismus.

Alkoholismus ist eine schwere, bis heute unheilbare Krankheit, die in den Industrie-Nationen eine Häufigkeit von bis zu 20% der erwachsenen Bevölkerung erreicht. Unter dem Begriff Alkoholismus werden schwerer Missbrauch und Abhängigkeit zusammengefasst. „Die Behandlung des Alkoholismus wird durch eine extrem hohe Rückfallrate nach körperlicher Entgiftung und selbst nach monatelanger Entwöhnungstherapie erschwert“, erklärt Hannelore Ehrenreich, die am Max-Planck-Institut für experimentelle Medizin die Division Klinische Neurowissenschaften leitet.

Bei Menschen, welche an chronischen Krankheiten leiden, etwa schweren Hautkrankheiten, Rheuma, Schizophrenie oder Depression, ergeben sich sogar Häufigkeiten für Alkoholismus von weit über 30%. „Man kann sich unschwer vorstellen, dass Alkoholismus zusätzlich zu einer bereits behindernden Grundkrankheit katastrophale Auswirkungen für den Krankheitsverlauf und die individuelle Situation eines Betroffenen hat“, so die Medizinerin.

Jede schwere Krankheit bedeutet für einen Menschen eine extreme Belastung, gleichzusetzen mit einer massiven chronischen Stress-Situation. Die Entwicklung eines komorbiden Alkoholismus unter diesen Bedingungen kann demnach als verhängnisvoller Versuch gewertet werden, mit dem Stress umzugehen. Alkohol wird als leicht verfügbares Mittel eingesetzt, um innere und äußere Spannungen und negative Emotionen im Sinne einer Selbstbehandlung anzugehen.

Für die individuelle Antwort auf Stress ist grundsätzlich die genetische Konfiguration der biologischen Stressachse, insbesondere das sogenannte CRF-System von ganz entscheidender Bedeutung. Essenzielle Bestandteile dieses Systems sind der Corticotropin Releasing Factor (CRF) selbst – ein Hormon, das vor allem im Zwischenhirn, dem Hypothalamus gebildet wird –, seine Rezeptoren (CRFR), d.h. die spezifischen Bindungsstellen an der Zelloberfläche, welche die Wirkungen von CRF vermitteln, und ein CRF-bindendes Protein (CRFBP), welches die Funktion hat, etwa zuviel produzierten CRF abzufangen.

 
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