Vicky M. Oelze
Abteilung für Humanevolution
Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie, LeipzigTelefon: +49 341 3550-353
E-Mail: viktoria_oelze@eva.mpg.de
Dr. Gottfried Hohmann
Abteilung für Primatologie
Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie, LeipzigTelefon: +49 341 3550-208
E-Mail: hohmann@eva.mpg.de
30. Mai 2011
Bild vergrößern
Beobachtende Feldstudien zum Fressverhalten wildlebender Primaten geben Auskunft zur Art und Menge der aufgenommenen Nahrung. Trotz der Erkenntnisse aus der direkten Beobachtung der Tiere bleibt jedoch stets unklar, welche Nährstoffe aufgeschlossen und in den Stoffwechsel eingebunden werden. Daher besteht großes Interesse an biochemischen Markersubstanzen, die etwas über die tatsächliche Aufnahme von Nährstoffen in den Körper aussagen.
Die Isotopen-Biochemie ist eine in der modernen Anthropologie verwendete Methode, um zwischen tierischen und pflanzlichen Proteinquellen zu unterscheiden und die Position in der jeweiligen Nahrungskette zu bestimmen. Nach dem Grundsatz „Du bist, was du isst“ werden die chemischen Elemente der Nahrung in den Körper eingebaut. Durch die massenspektrometrische Messung der stabilen Isotope der Elemente Kohlenstoff und Stickstoff im Körpergewebe - z. B. in Muskeln, Haaren und Knochen - lassen sich die dominanten Nahrungsquellen rekonstruieren. Diese Methode wird am Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie vor allem in der archäologischen Forschung bei prähistorischem Skelettmaterial angewendet, wie zum Beispiel beim Neandertaler.
Seit Jahren erforscht ein internationales Team unter der Leitung von Gottfried Hohmann im kongolesischen Salonga Nationalpark jetzt die Nahrungsgewohnheiten von Bonobos. „Diese friedlichen Menschenaffen, die für lange Zeit als reine Vegetarier galten, ernähren sich wie andere Menschenaffen auch überwiegend von Früchten und Blättern, verzehren daneben aber auch Insekten und machen Jagd auf Waldantilopen und andere Affen“, berichtet Gottfried Hohmann. In einer interdisziplinären Studie am Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie wurde die Ernährung der seltenen Regenwaldbewohner nun mit modernsten biochemischen Methoden untersucht, die auch bei fossilen Vormenschen Aufschluss über deren Ernährung geben. Dazu entnahmen die Forscher Haare aus den in den Bäumen gelegenen Schlafnestern der Bonobos, die anschließend von Vicky Oelze im Isotopenlabor des Instituts biochemisch untersucht wurden. „Haare haben den Vorteil, dass sie schnell wachsen, zirka. einen Zentimeter pro Monat, und so auch Informationen über relativ kurzfristige Veränderungen in der Nahrungsaufnahme speichern“, erklärt Vicky Oelze.