Leonore Apitz
Max-Planck-Institut für Ornithologie, Teilinstitut Radolfzell, RadolfzellTelefon: +49 7732 1501-74
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18. Mai 2011
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In den vergangenen Jahrzehnten ist auf unserer Erde ein galoppierendes Artensterben von wildlebenden Pflanzen und Tieren in Gang gekommen, das es in diesem Ausmaß und mit dieser Schnelligkeit wohl niemals zuvor gegeben hat. Hiobsbotschaften darüber erreichen uns täglich über alle Medien: Heute werden wir aufgefordert, auf Thunfisch und Kabeljau zu verzichten. Morgen wird gefragt, wer unsere Obstbäume bestäuben soll, wenn weltweit die Bienen sterben. Woraus bauen wir zukünftig unsere Möbel, wenn die Klimaerwärmung alle unsere Fichten dahinrafft? Und wo können wir demnächst noch erholsam schnorcheln, wenn sich ganze Korallenriffe in tote Geisterburgen verwandeln?
Dieses Artensterben ist keine Naturkatastrophe, sondern hausgemacht – bewirkt durch eine einzige, ungeheuer dominante Säugetierart: den Menschen. Mehr als zehn Millionen Pflanzen- und Tierarten besiedeln gegenwärtig unseren Planeten. Davon verschwinden zurzeit jährlich Tausende, noch bevor Biologen sie benennen können. Die globalen Ursachen für dieses Massensterben sind unter anderem das Abholzen großer Regenwaldgebiete, die Verschmutzung oder Erwärmung von Meeresbereichen. Nach dem Living Planet Index 2008 des World Wide Fund for Nature (WWF), der auf der Untersuchung von 4000 Populationen 1500 bekannter Arten beruht, nahm die biologische Vielfalt der Erde von 1970 bis 2005 um 27 Prozent ab, besonders im asiatisch-pazifischen Raum.
Die genaueste Auskunft über den weltweiten Artenrückgang geben die Roten Listen der Weltnaturschutzunion (IUCN). Die alarmierende Bilanz der aktuellen Liste aus dem Jahr 2009: 17 291 – mehr als ein Drittel der insgesamt 47 677 untersuchten Arten – sind vom Aussterben bedroht. Bei den Wirbeltieren etwa erwies sich jede achte Vogel-, jede fünfte Säugetier- und jede dritte Amphibienart als gefährdet; 277 der bekannten Arten (ohne Fische) sind in den vergangenen Jahrhunderten bereits verschwunden, aber keine einzige ist neu entstanden.