Der Autor

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Peter Berthold

Peter Berthold, Jahrgang 1939, studierte Biologie, Chemie und Geografie. Im Jahr 1972 habilitierte er sich an der Universität Konstanz. 1998 wurde er als Direktor an das Max-Planck-Institut für Ornithologie berufen und war bis zu seiner Emeritierung 2004 Leiter der Vogelwarte Radolfzell. Im Jahr 2005 wurde er in den Stiftungsrat der Heinz Sielmann Stiftung aufgenommen. Berthold engagiert sich für den Naturschutz und zählt zu den führenden Wissenschaftlern der Vogelzugforschung.

Ansprechpartner

Leonore Apitz

Max-Planck-Institut für Ornithologie, Teilinstitut Radolfzell, Radolfzell

Telefon: +49 7732 1501-74
Fax: +49 7732 1501-69

E-Mail: apitz@­orn.mpg.de

Ökologie

Die Vielfalt soll wieder aufblühen

18. Mai 2011

Das weltweite Artensterben beschleunigt sich immer mehr. Noch besteht die Chance, es zu stoppen, zumindest in Deutschland. Aber Eile tut not. Ein einfaches Konzept nach dem Vorbild des Biotopverbunds Bodensee zeigt einen Weg aus der Biodiversitätskrise. Bund und Länder müssen nun die politischen Weichen stellen.
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Erfolgreiche Renaturierung: Auf dem zehn Hektar großen Gebiet des Heinz-Sielmann-Weihers am Bodensee leben heute über 40 Prozent mehr Vogelarten als vor fünf Jahren, darunter seltene Arten wie Schwarzkehlchen und Kolbenente. Die Einwohner des benachbarten Ortes Owingen-Billafingen freuen sich zudem über das erste Storchenpaar seit Menschengedenken, das wieder auf der Gemeindefläche brütet. [weniger]

In den vergangenen Jahrzehnten ist auf unserer Erde ein galoppierendes Artensterben von wildlebenden Pflanzen und Tieren in Gang gekommen, das es in diesem Ausmaß und mit dieser Schnelligkeit wohl niemals zuvor gegeben hat. Hiobsbotschaften darüber erreichen uns täglich über alle Medien: Heute werden wir aufgefordert, auf Thunfisch und Kabeljau zu verzichten. Morgen wird gefragt, wer unsere Obstbäume bestäuben soll, wenn weltweit die Bienen sterben. Woraus bauen wir zukünftig unsere Möbel, wenn die Klimaerwärmung alle unsere Fichten dahinrafft? Und wo können wir demnächst noch erholsam schnorcheln, wenn sich ganze Korallenriffe in tote Geisterburgen verwandeln?

Dieses Artensterben ist keine Naturkatastrophe, sondern hausgemacht – bewirkt durch eine einzige, ungeheuer dominante Säugetierart: den Menschen. Mehr als zehn Millionen Pflanzen- und Tierarten besiedeln gegenwärtig unseren Planeten. Davon verschwinden zurzeit jährlich Tausende, noch bevor Biologen sie benennen können. Die globalen Ursachen für dieses Massensterben sind unter anderem das Abholzen großer Regenwaldgebiete, die Verschmutzung oder Erwärmung von Meeresbereichen. Nach dem Living Planet Index 2008 des World Wide Fund for Nature (WWF), der auf der Untersuchung von 4000 Populationen 1500 bekannter Arten beruht, nahm die biologische Vielfalt der Erde von 1970 bis 2005 um 27 Prozent ab, besonders im asiatisch-pazifischen Raum.

Die genaueste Auskunft über den weltweiten Artenrückgang geben die Roten Listen der Weltnaturschutzunion (IUCN). Die alarmierende Bilanz der aktuellen Liste aus dem Jahr 2009: 17 291 – mehr als ein Drittel der insgesamt 47 677 untersuchten Arten – sind vom Aussterben bedroht. Bei den Wirbeltieren etwa erwies sich jede achte Vogel-, jede fünfte Säugetier- und jede dritte Amphibienart als gefährdet; 277 der bekannten Arten (ohne Fische) sind in den vergangenen Jahrhunderten bereits verschwunden, aber keine einzige ist neu entstanden.

 
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