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Dr. Jochen Greiner

Max-Planck-Institut für extraterrestrische Physik, Garching
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Astrophysik

Signale vom Anfang der Welt

16. März 2009

Nur 625 Millionen Jahre nach dem Urknall explodierte ein Stern, dessen Strahlung die Erde im vergangenen Frühjahr erreichte. Mit einer Distanz von 13 Milliarden Lichtjahren ist dieser Gammablitz namens GRB 090423 das bisher am weitesten entfernte astronomische Objekt. Jochen Greiner und seine Kollegen vom Max-Planck-Institut für extraterrestrische Physik in Garching untersuchen solche kosmischen Zündfunken am Rande von Raum und Zeit.

Text: Helmut Hornung

Urgewalt im All: Für ein paar Sekunden leuchtet ein Gammablitz so hell wie das gesamte Universum, die Strahlung dringt dabei über zwei Jets nach außen. Hinter einem solchen Ereignis steckt die Explosion einer extrem massereichen Sonne, der Sturz eines Neutronensterns in den Schwerkraftstrudel eines schwarzen Lochs oder die Verschmelzung zweier Neutronensterne oder schwarzer Löcher. Bild vergrößern
Urgewalt im All: Für ein paar Sekunden leuchtet ein Gammablitz so hell wie das gesamte Universum, die Strahlung dringt dabei über zwei Jets nach außen. Hinter einem solchen Ereignis steckt die Explosion einer extrem massereichen Sonne, der Sturz eines Neutronensterns in den Schwerkraftstrudel eines schwarzen Lochs oder die Verschmelzung zweier Neutronensterne oder schwarzer Löcher. [weniger]

Die Katastrophe muss gewaltig gewesen sein. Irgendwo im jungen Universum hatte es einen Stern zerrissen, ein Schwergewicht von der vielfachen Masse unserer Sonne. Und während der Detonation wurde innerhalb von zehn Sekunden so viel Energie freigesetzt, wie die Sonne im Lauf ihres zehn Milliarden Jahre währenden Lebens produziert. Mit Lichtgeschwindigkeit verließ die Strahlung den Ort des Infernos. Nach einer Reise von 13 Milliarden Jahren erreichte der Blitz die Erde: Am 23. April 2009 flammte er im Sternbild Löwe auf – die Astronomen beobachteten GRB 090423, einen sogenannten Gamma Ray Burst.

Vor mehr als 40 Jahren wurde der erste derartige Ausbruch registriert. Amerikanische Spionagesatelliten vom Typ Vela hatten am 2. Juli 1967 Gammastrahlung aufgefangen, die nicht von heimlichen oberirdischen Atomwaffentests stammen konnte, welche die Späher im Orbit aufspüren sollten. Erst 1973 wurden die Messungen dazu publiziert – mit dem Schluss, dass diese Signale aus den Tiefen des Kosmos gekommen sein mussten.

In den folgenden Jahren untersuchten die Forscher das Phänomen mit eigens dafür konstruierten Instrumenten. So registrierte allein das Weltraumobservatorium Compton von 1991 bis zu seinem kontrollierten Absturz neun Jahre später rund 2000 Gammablitze (MaxPlanckForschung 2/2007, Seite 60 ff.). Die Wissenschaftler lernten, dass die Gammablitze zufällig ver­teilt aus allen Himmelsrichtungen eintreffen und es keine erkennbar bevorzugten Entstehungsorte am Firmament gibt.

 
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