Thorsten Mauritsen
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Dr. Annette Kirk
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22. Dezember 2010
Text: Uta Deffke
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Himmel und Eis, so weit das Auge reicht. Ab und zu schaut ein Eisbär vorbei, oder zwei. 87,5 Grad nördliche Breite. „Es kann sehr grau sein dort, kalt und nass. Die Leute sagen: Entweder man hasst es oder man liebt es. Ich finde es wunderschön.“ Als Thorsten Mauritsen an Bord eines Helikopters dem Eisbrecher voranflog, der ihn und seine Forscherkollegen ins arktische Eismeer brachte, waren sie schon nach zwei Minuten völlig allein in der unwirtlichen Weite. „Da wird einem bewusst, wie klein man ist. Und wie erstaunlich es ist, dass hier überhaupt Leben existieren kann. Wirklich eine großartige Erfahrung.“
Die Arktis ist immer noch ein Abenteuer, auch ein wissenschaftliches. Der Klimawandel treibt die Temperaturen hier doppelt so schnell in die Höhe wie im Schnitt auf dem Rest der Erde. Warum das so ist, gibt den Forschern noch viele Rätsel auf. Einem davon näherte sich die Expedition des schwedischen Eisbrechers Oden im Sommer 2008. Sie sollte dazu beitragen, die Wolken der Arktis besser zu verstehen: wie sie sich bilden, wie sie existieren und wieder vergehen. Und welchen Einfluss das auf die klimatischen Prozesse an der Erdoberfläche hat.
Ein Jahr lang hatte sich Thorsten Mauritsen auf die sechswöchige Expedition vorbereitet, hatte Experimente entwickelt, Geräte bestellt, aufgebaut, Messroutinen programmiert. Am 1. August 2008 brach er mit 30 anderen Wissenschaftlern aus aller Welt in Spitzbergen auf. Zwei Wochen brauchte das Team, bis es im arktischen Eismeer eine geeignete Scholle für seine Experimente gefunden hatte. Die meisten waren nicht dick genug in jenem Sommer.
Dann musste das Schiff wieder umkehren, um sicherzustellen, dass auch der Rückweg zu schaffen war. Schließlich blieben noch drei Wochen Zeit für die Experimente. Ausladen, aufbauen, in Betrieb nehmen – alles musste auf den Punkt funktionieren. „Es war ein voller Erfolg“, resümiert Mauritsen. „Und es hat alles nur deshalb so gut geklappt, weil es so akribisch vorbereitet war.“
Damals hatte der Meteorologe schon mehrere Jahre über das Klima der Arktis geforscht, hatte Theorien aufgestellt, neue Modelle entwickelt und alte in Frage gestellt. Dass er jetzt vor Ort selber Daten sammeln konnte – Temperatur, Luftfeuchtigkeit, Druck, Partikeldichte, Wind – empfand er als ungeheure Bereicherung: „Mir wurde da erst so richtig bewusst, was es bedeutet, die ganzen Daten zu messen, vor allem in guter Qualität. Und ich bekam ein ganz neues Bild von der Arktis, ein Gefühl für das, was ich sonst nur als Zahlen vor mir hatte.“
Die Partikeldichte zum Beispiel. In der arktischen Luft ist sie extrem niedrig. Manchmal so niedrig, dass sich beim Ausatmen keine Dampfwolke bildet. Der Atem findet schlichtweg keine Keimzellen, um zu Tröpfchen zu kondensieren. Ein Effekt, der auch Auswirkungen auf die Wolkenbildung hat.