Ansprechpartner

Profile_image

Prof. Friedrich Widdel

Direktor Abteilung Mikrobiologie

Max-Planck-Institut für marine Mikrobiologie, Bremen

Telefon: +49 421 2028-702
Fax: +49 421 2028-790

Verwandte Artikel

Riesige Mengen gelösten organischen Kohlenstoffs treiben in den Weltmeeren. Eigentlich ein gefundenes Fressen für Mikroorganismen. Doch die nehmen seltsamerweise kaum Notiz davon. Thorsten Dittmar vom Max-Planck-Institut für marine Mikrobiologie in Bremen will diese und andere Wissenslücken der Meeresforschung schließen. Denn das Fressverhalten der Mikroorganismen im Ozean bestimmt das Klima auf der Erde entscheidend mit.

Mikroben in gelöster Atmosphäre

18. Juli 2012

Riesige Mengen gelösten organischen Kohlenstoffs treiben in den Weltmeeren. Eigentlich ein gefundenes Fressen für Mikroorganismen. Doch die nehmen seltsamerweise kaum Notiz davon. Thorsten Dittmar vom Max-Planck-Institut für marine Mikrobiologie in Bremen will diese und andere Wissenslücken der Meeresforschung schließen. Denn das Fressverhalten der Mikroorganismen im Ozean bestimmt das Klima auf der Erde entscheidend mit. [mehr]

Mikrobiologie . Ökologie

Zuchtbakterien für die Ölbekämpfung?

Bei jedem größeren Ölunfall streiten Experten darum, wie sich derartige Katastrophen in Zukunft vermeiden und wie sich die Verschmutzungen am schnellsten bekämpfen lassen. Diskutiert wird dabei immer wieder der Einsatz von Bakterien aus der Laborzucht, die das Öl in Windeseile vertilgen sollen – schneller und vollständiger als die natürlich wachsenden Mikroben.

Nur wenn ausgetretenes Öl nach einem Unfall in kleine Tröpfchen verteilt, können Bakterien es effektiv abbauen. Aber auch dann verlangsamen Sauerstoff- und Nährstoffmangel die Abbaurate. Anaerobe Bakterien wachsen zudem zu langsam, um großflächige Verschmutzungen zu reinigen. Bild vergrößern
Nur wenn ausgetretenes Öl nach einem Unfall in kleine Tröpfchen verteilt, können Bakterien es effektiv abbauen. Aber auch dann verlangsamen Sauerstoff- und Nährstoffmangel die Abbaurate. Anaerobe Bakterien wachsen zudem zu langsam, um großflächige Verschmutzungen zu reinigen. [weniger]

Aus mikrobiologischer Sicht ist ein solcher Großeinsatz aber kaum realisierbar. Selbst wenn die Bakterien den abrupten Übergang aus der Laborkultur ins Meer überleben sollten und das Öl zu vertilgen beginnen, wird sich der Abbau schnell verlangsamen, weil die Mikroorganismen zugleich lebenswichtige Mineralien aus dem umgebenden Meerwasser verbrauchen. Problematisch ist auch, dass die aeroben Bakterien, die Öl sehr effizient mit Sauerstoff abbauen, viel davon benötigen. Die Folge ist ein Sauerstoffmangel – oftmals schon innerhalb eines Millimeters unter der Oberfläche einer Erdölschicht am Strand. Auch das verhindert den Abbau. Die anaeroben Bakterien wiederum arbeiten zu langsam, als dass sie das Öl vernichten könnten, ehe es sich in eine kompakte teerige Masse verwandelt.

Erschwerend kommt hinzu, dass die Bakterien nur an der Grenzfläche von Wasser und Öl aktiv sind. Inmitten der Ölmassen findet überhaupt kein Ölabbau statt. Mit dem Verklumpen der Ölteppiche nimmt die Abbaurate daher deutlich ab. 

 

GLOSSAR

Anaerobier
Lebewesen, die im Gegensatz zu Aerobiern Stoffwechsel ohne Sauerstoff betreiben. Für manche von ihnen ist Sauerstoff sogar giftig.

Gas-Chromatograf
Gerät, das ein Substanzgemisch auftrennt. Das Gemisch wird mit einem Trägergas durch eine feine, 10 bis 50 Meter lange, zu einer Spule gewickelten Röhre geschickt. Das Kapillarrohr ist mit einer Substanz ausgekleidet, an der Stoffe je nach ihrer Polarität und ihrem Dampfdruck unterschiedlich lange verweilen. Dementsprechend treten sie nach verschiedenen Zeiten aus dem Rohr.

Alkane
Verbindungen, die aus Kohlenstoff und Wasserstoff bestehen und keine Doppelbindungen enthalten. Die Kohlenstoffatome bilden dabei ein Gerüst aus einer Kette, die auch verzweigt und zu einem Ring geschlossen sein kann. An allen freien Bindungsstellen sitzt ein Wasserstoff atom. Sie werden hauptsächlich aus Erdöl gewonnen.

 
loading content