Prof. Friedrich Widdel
Direktor Abteilung Mikrobiologie
Max-Planck-Institut für marine Mikrobiologie, BremenTelefon: +49 421 2028-702
Fax: +49 421 2028-790
E-Mail: fwiddel@mpi-bremen.de
15. September 2010
Bakterien können von fast allem leben, manche sogar von Öl. Friedrich Widdel, Direktor am Max-Planck-Institut für marine Mikrobiologie, erforscht Mikroben, die Öl-Kohlenwasserstoffe tief im Sediment ohne Sauerstoff abbauen. Könnten sie bei Tankerunfällen helfen?
Text: Tim Schröder
Bild vergrößern
So weit haben es die Bakterien in Sachen Schönheit gebracht“, sagt Friedrich Widdel und legt einige Schwarz-Weiß-Fotos auf den Tisch. Das eine zeigt einen Haufen dünner schwarzer Striche, ein anderes kleine graue Kleckse. Rein äußerlich geben Bakterien nicht viel mehr her als abstraktes Gewimmel. Für Widdel sind sie trotzdem so spannend, dass er sie seit mehr als 30 Jahren erforscht. „Ihr Stoffwechsel ist absolut faszinierend. Bakterien können Dinge, die kein höheres Lebewesen vermag.“
In der Tat haben manche von ihnen einiges auf Lager: Sie bauen Substanzen ab, die für Tier und Mensch unverdaulich sind, wie Zellulose, oder giftig wie Schwefelwasserstoff. Sie fangen Stickstoff aus der Luft und versorgen Pflanzen damit.
Niemand weiß, wie viele Bakterienarten es gibt, und der allergrößte Teil ist wahrscheinlich noch unentdeckt. Vermutlich gibt es keinen Flecken auf der Welt, an dem sich nicht das eine oder andere Bakterium wohlfühlt. Die Einzeller besiedeln Böden, Gräben, Kläranlagen, heiße Tiefseequellen und das arktische Meereis. Viele Billionen dieser mikroskopischen Winzlinge tummeln sich allein in und auf unserem Körper, im Darm oder auf der Haut. Und das ist gut so. Denn die Mikroben wehren Feinde ab und versorgen uns mit lebenswichtigen Substanzen.
Friedrich Widdel interessiert sich vor allem für jene bakteriellen Spezialisten, die ganz ohne Sauerstoff auskommen – die „Anaerobier“, die zum Atmen stattdessen Schwefel- oder Stickstoffverbindungen aus der Umgebung schöpfen. Den Forscher vom Bremer Max-Planck-Institut für marine Mikrobiologie begeistern besonders solche Bakterienstämme, die Öl abbauen können und sich in exotischen Habitaten wohlfühlen: unter Ölmatten am Strand oder im sauerstofffreien, öligen Sediment am Meeresboden.
Das Thema hat Widdel schon vor langer Zeit gepackt, 1982, als ihn ein befreundeter Ingenieur durch ein Öllager führte. Es hatte Probleme mit einem Rohöltank gegeben, einem Separator, in dem das Ölwassergemisch aus den Bohrungen aufgetrennt wird. In den Behältern hatte sich giftiger, nach faulen Eiern stinkender Schwefelwasserstoff gesammelt, eine korrosive Substanz, die sogar Stahlleitungen angreifen kann, „Sauergas“.