Dr. Björn M. Siemers
Head of Max Planck research group Sensory Ecology
Max-Planck-Institut für Ornithologie, SeewiesenTelefon: +49 8157 932-348
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Der Sonnenuntergang weist die Richtung
Für die Fledermäuse ist also Westen dort, wo die Sonne untergeht, egal, ob ihnen das Magnetfeld etwas anderes sagt. Eine gute Strategie, denn Eiseneinlagerungen in der Erdkruste können das lokale Erdmagnetfeld schwanken lassen. Das Ergebnis ist erstaunlich, denn eigentlich sollten die nachtaktiven Fledermäuse – und dazu gehören fast alle der mehr als 1 000 Arten, die es weltweit gibt – den Sonnenuntergang nur selten zu Gesicht bekommen.
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Die Mausohren fliegen erst aus, wenn die Sonne schon unter dem Horizont steht. „Wir konnten jedoch noch eine Stunde nach dem Ausflug der Tiere am helleren Himmel sehen, wohin die Sonne verschwunden ist“, sagt Björn Siemers. Dieser Lichtschimmer genügt den Fledermäusen offenbar zur Orientierung.
Was aber passiert an wolkenverhangenen Tagen? „Die Tiere bleiben dann wohl bei ihrer letzten Ausrichtung“, so Siemers. „Wir vermuten, dass sie nicht auf eine tägliche Justierung angewiesen sind, müssen das aber noch testen.“ Ebenfalls ungesichert, aber sehr wahrscheinlich ist, dass sich die Fledermäuse auffällige Landmarken merken und daran orientieren. „Deshalb haben wohl auch die falsch gepolten Tiere aus unseren Magnetfeldversuchen ihren Irrtum bemerkt und doch noch den Weg Richtung Heimathöhle gefunden“, spekuliert Siemers. Auch wenn die Tiere nicht sehr gut sehen. „Anders als oft vermutet sind Fledermäuse nicht blind“, betont der Biologe: „Ihre Augen können diese Informationen durchaus liefern.“
Fledermäuse sind eine ausgesprochen erfolgreiche Tiergruppe, die im Laufe der Evolution eine Vielzahl von Arten hervorgebracht hat. Mit der Echoortung verfügen die Tiere über ein einzigartiges Sinnessystem, das sie in erster Linie zur Orientierung und Nahrungssuche einsetzen. Anders als der Gesang der Vögel und auch die Sprache des Menschen ist die Echoortung nicht primär als Mittel zur Kommunikation entstanden.
Trotzdem, Fledermäuse können ihre Artgenossen an deren Echoortungsrufen erkennen und unterscheiden. Und nicht nur das. Wie ein Projekt von Siemers und seiner Mitarbeiterin Maike Schuchmann gezeigt hat, unterscheiden etwa Hufeisennasen auch zwischen artfremden Echoortungsrufen. Das gilt selbst dann, wenn deren Frequenzen mit denen der getesteten Tiere überlappen.
Diese Ergebnisse werfen neue Fragen auf: „Wir können noch nicht beurteilen, inwieweit die Tiere die Fähigkeit, fremde Arten an den Rufen zu erkennen, auch tatsächlich nutzen“, sagt Siemers. Denkbar wäre aber, dass sie auf diesem Weg überlegenen Konkurrenten im Jagdgebiet ausweichen. Oder sie könnten anderen Arten mit ähnlichen Quartieransprüchen auf der Suche nach neuen Hangplätzen folgen.