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Dr. Björn M. Siemers

Head of Max Planck research group Sensory Ecology
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Verhaltensbiologie

Echoortung funktioniert nur im Nahbereich

Die Echoortung funktioniert aber nur im Nahbereich. „Fledermäuse können sich damit keinen Überblick in ihrer dreidimensionalen Umwelt verschaffen“, sagt Björn Siemers, Forschungsgruppenleiter am Max-Planck- Institut in Seewiesen: „Sie orten Insekten im Normalfall wohl nur in einer Entfernung von einem bis zu fünf Metern. Da sie aber mit bis zu 35 Stundenkilometern fliegen, ist das ungefähr so, als ob wir mit einer Taschenlampe auf der Autobahn unterwegs wären.“

Ein Großes Mausohr auf der Jagd: Die Tiere stoßen Rufe im für den  Menschen unhörbaren Ultraschallbereich aus und registrieren dann das  zurückkehrende Echo. Bild vergrößern
Ein Großes Mausohr auf der Jagd: Die Tiere stoßen Rufe im für den Menschen unhörbaren Ultraschallbereich aus und registrieren dann das zurückkehrende Echo. [weniger]

Dennoch bewegen sich manche Fledermäuse bei der Nahrungssuche über weite Strecken, etwa jede Nacht 20 oder mehr Kilometer. Und auch zwischen Sommer- und Winterquartier können mehr als 50 Kilometer liegen. Bei einigen Arten sprechen Zoologen sogar von Zugverhalten, weil sie mehr als tausend Kilometer zurücklegen. Ein prägnantes Beispiel hierfür sind die Rauhautfledermäuse, die in Polen geboren werden, in Deutschland balzen und in Holland überwintern. „Da stellt sich die Frage, wie die Tiere den Weg finden“, sagt Siemers. „Es ist kaum vorstellbar, dass sich die Fledermäuse auch über diese Entfernungen einzelne Bäume, Sträucher oder andere Landmarken einprägen.“

Einen wichtigen Hinweis erhielt der Verhaltensökologe durch Forschungsarbeiten, die sein Kollege Richard Holland vor einigen Jahren als Postdoktorand an der US-amerikanischen Princeton University gemacht hatte: „Untersuchungen zu der Frage, wie sich Tiere in unbekannten Gegenden zurechtfinden, wurden bislang in erster Linie an Zugvögeln gemacht“, erklärt Holland, „und die orientieren sich am Magnetfeld der Erde. Irgendwann wurde mir klar, dass Fledermäuse vor ähnlichen Herausforderungen stehen, und ich habe deshalb getestet, ob sie einen entsprechenden inneren Kompass besitzen.“

Hollands Experimente schienen seine Vermutung zu bestätigen. Allerdings waren nur wenige Tiere in die Tests einbezogen worden, sodass das Ergebnis mit einer gewissen Skepsis aufgenommen wurde – auch von Björn Siemers. Gemeinsam machten sich die beiden Forscher deshalb daran, in einer größeren Studie einen möglichen Magnetsinn der Fledermäuse zu prüfen – und zwar in Bulgarien. Die dortigen Kolonien sind in der Regel sehr viel größer als jene in Deutschland. „Wenn wir ein paar Exemplare von Tausenden fangen und testen, stört das die Gruppe weniger, als wenn es insgesamt nur ein paar Hundert Tiere sind“, sagt Siemers. Nach einer oder wenigen Nächten an der Feldstation lassen die Forscher die Fledermäuse wieder dort frei, wo sie sie gefangen haben.

Zusammen mit ihrem bulgarischen Kollegen Ivailo Borissov wollten Siemers und Holland zunächst herausfinden, ob sich Fledermäuse an einem ihnen unbekannten Ort überhaupt orientieren können und nach Hause finden. Schnell zeigte sich, dass die Großen Mausohren damit kein Problem hatten. Die Tiere wurden in etwa 25 Kilometer Entfernung von ihrem Quartier auf einem abgeernteten Feld freigelassen, das kaum Anhaltspunkte zur Orientierung bot.

 
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