Prof. Dr. Dr. h.c. Rüdiger Wolfrum
Max-Planck-Institut für ausländisches öffentliches Recht und Völkerrecht, HeidelbergTelefon: +49 6221 482-255
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Unser »blauer Planet« trägt diesen Namen zu Recht: Mehr als 70 Prozent der Erdoberfläche sind von Salzwasser bedeckt. Zwar stellen die Ozeane heute längst keine unüberbrückbare Barriere mehr dar – ein reger Schiffsverkehr findet auf ihnen statt, und Kabel, Pipelines sowie Satellitenverbindungen überbrücken selbst große Distanzen. Doch den riesigen Schatz an natürlichen Ressourcen, den die Meere bergen, haben wir bislang kaum ausgeschöpft oder auch nur identifiziert.
Dies hat zum Teil ganz einfache Gründe: Viele Orte auf oder unter der Meeresoberfläche sind nur mit spezieller Ausrüstung zu erreichen. So kennen wir bislang weder den ganzen Umfang der marinen Gas- und Ölressourcen noch nutzen wir in bedeutendem Maß die verfügbaren alternativen Energiequellen – wie Wind- und Wasserkraft oder die Wärme- und Gezeitenenergie der Meere. Ganz abgesehen davon schlummern am Grund der Meere vermutlich reiche Vorkommen von Mangan, Kobalt, Kupfer und Nickel, wenn auch Umfang und Zusammensetzung noch zusätzlicher Forschung bedürfen.
Aber die Forscher interessieren sich nicht nur für die wirtschaftlichen Potenziale. Klimatologen und Paläoklimatologen, Biologen und Geophysiker betrachten die Meere als entscheidenden Faktor für die Entwicklung des Weltklimas. Strömungen wie der Golfstrom beeinflussen das globale Klima ebenso wie regionale klimatische Verhältnisse. Die allgemeine Erderwärmung wirkt wiederum auf die Meere zurück, indem etwa das schmelzende arktische Eis zu weit reichenden Veränderungen im Nordpolarmeer führt.
Gleichzeitig sind die Weltmeere auch von einer Reihe wirtschaftlicher und demographischer Entwicklungen betroffen. Während der vergangenen Jahrzehnte haben technischer Fortschritt und das in manchen Regionen der Welt geradezu explosionsartige Bevölkerungswachstum den Verbrauch mariner Ressourcen in die Höhe schnellen lassen. Über neue Nutzungsarten – seien es potenzielle Standorte für »Windfarmen«, Mülldeponien am Meeresgrund oder die Förderung von Erdöl aus der Tiefsee – ist es bereits zu Konflikten gekommen. Klimawandel, Verschmutzung und der Raubbau haben die Fischbestände teils stark dezimiert oder völlig vernichtet, was weitere ökologische Schäden nach sich zieht.