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Prof. Dr. Wolfgang Klein

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Evolutionsbiologie . Genetik . Kognitionsforschung . Medizin . Neurobiologie . Sozialwissenschaften . Sprachwissenschaften

Vom Stammbaum der Sprachen

Die Methoden der Genetik bereichern die Erforschung sprachlicher Phänomene, aber auch die Suche nach dem Ursprung der Sprache. Genvarianten sind für individuelle Unterschiede im Sprachvermögen mitverantwortlich. Bestimmte erbliche Veranlagungen könnten die Ausbildung jeweils eigener sprachlichen Strukturen fördern.

Das einzigartige Talent, überaus komplexe sprachliche Strukturen zu beherrschen, verdankt der Mensch dem Zusammenspiel seiner genetischen Grundausstattung mit der Umwelt, die diese Fähigkeit permanent beeinflusst und formt. Sprache ist die Grundlage unserer Gesellschaft, unserer Kultur und Wissenschaft. Ihre Form, Verbreitung und ihr Erwerb in Kindheit und Erwachsenenalter sind daher ebenso einer Untersuchung wert wie die Frage nach ihrer Verarbeitung im Gehirn, dem Einfluss auf Denken und Handeln, Kultur und Erziehung.

Was ist das Besondere an den Genen des Menschen, dass sie ihm den Gebrauch von Sprache erlauben? Und in welchem Zusammenhang steht diese Fähigkeit mit anderen kognitiven Leistungen? Noch vor Kurzem ließen sich diese Fragen kaum sinnvoll stellen. Erst rasante Fortschritte der vergangenen Jahre haben uns ermöglicht, den genetischen Kode – und damit die genetische Grundlage der Sprache – schnell und kostengünstig zu entziffern. Drei Beispiele für aktuelle Forschungsprojekte sollen das im Folgenden demonstrieren.

GENE UND DIE INDIVIDUELLE SPRACHKOMPETENZ

<b>Bild 1 | Das FOXP<sub>2</sub>- Gen scheint für eine bestimmte Sprachstörung verantwortlich zu sein.</b> Bild vergrößern
Bild 1 | Das FOXP2- Gen scheint für eine bestimmte Sprachstörung verantwortlich zu sein.

Das menschliche Genom »erschafft« die Sprachen nicht selbst, lenkt aber doch den Aufbau des Gehirns und anderer Organe in Bahnen, die eine Sprachbeherrschung ermöglichen – und ist damit auch für die teils erheblichen individuellen Unterschiede in den Fähigkeiten verantwortlich: Während die einen ganz besondere Talente beim Umgang mit Sprache an den Tag legen, leiden andere im Extremfall unter schweren angeborenen Sprachstörungen1.

Elektrisiert wurde die Fachwelt vom Fund eines Gens, das einer Sprechstörung (Dyspraxie) zu Grunde liegt2. Betroffene haben unter anderem mit erheblichen Artikulationsschwierigkeiten zu kämpfen. Die Untersuchung einer von erblicher Dyspraxie betroffenen englischen Familie ergab, dass bei ihnen eine Mutation im Gen FOXP2 auf Chromosom 7 dafür verantwortlich ist, das indirekt am Aufbau der Sprachzentren im Gehirn beteiligt ist (Bild 1). Mittlerweile scheint es sogar, als könnte der gleiche Mechanismus auch bei anderen, deutlich häufigeren Sprachdefiziten eine Rolle spielen.

 
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