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Prof. Dr. Jens Beckert

Max-Planck-Institut für Gesellschaftsforschung, Köln

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Wie sich Märkte steuern lassen

Wirtschaft und Märkte bedürfen institutioneller Regulierung. Private und öffentliche Interessen können dabei in Konflikt geraten und müssen durch effiziente und faire Regeln austariert werden. Forscher untersuchen, wie Regulierungsmechanismen entstehen, sich verändern und wie sie wirken, um deren Folgen besser abschätzen und Empfehlungen an die Politik geben zu können.

Die jüngste Finanzkrise war ein Schock für all jene, die auf die Stabilität unseres Wirtschafts­systems vertraut haben – also für praktisch jeden von uns. Sie zeigte überdeutlich, wie wichtig eine funktionierende Steuerung der Wirtschaft ist. Denn die Krise war laut der meisten Experten vor allem eine Folge mangelhafter institutioneller Regulierung der Finanzmärkte. Seither drängen die wichtigsten Industrie- und Schwellenländer (G-20) auf neue Regeln, die solche Krisen bereits im Vorfeld abwenden helfen. Doch welche Mechanismen sollten die Staaten in Kraft setzen?

Die New York Stock Exchange gehört zu den weltweit größten Börsen. Bild vergrößern
Die New York Stock Exchange gehört zu den weltweit größten Börsen.

Märkte sind die zentralen Arenen des Tauschs in kapitalistischen Ökonomien. Doch sie funktionieren nur, wenn sie der Staat reguliert1,2. Indem er etwa auf den Energie- oder Telekommunikationsmarkt Einfluss nimmt, sichert er den Wettbewerb und setzt Entwicklungsanreize. Indem er den Arbeitsmarkt reguliert, nimmt er Einfluss auf die Verteilung des gesellschaft­lichen Reichtums. Die von der Politik verfolgten Ziele und die tatsächlichen Konsequenzen ihrer Maßnahmen können aber auch unerwünschte Folgen haben. So drohen Konflikte, wenn die Bürger gesellschaftliche Werte wie Gerechtigkeit, Solidarität und Freiheit bedroht sehen. Darüber hinaus stehen private und öffentliche Interessen meist in einem Spannungsverhältnis: Was dem Staat dient, kann den einzelnen Bürger belasten – und umgekehrt.

>> Märkte sind die zentralen Arenen des Tauschs in kapitalistischen Ökonomien. Doch sie funktionieren nur, wenn sie der Staat reguliert

Wer Regulierungsmaßnahmen ergreift, muss also viele Aspekte beachten. Zu den Aufgaben der Wissenschaft zählt es, diese systematisch zu erfassen. Einige Forscher beschäftigen sich mit normativen Fragen: Welche ökonomischen Ziele sind überhaupt wünschenswert? Dazu könnte gehören, dass Unternehmen mit ausreichend Eigenkapital ausgestattet sind und dass die systemischen Risiken im Wirtschaftskreislauf gering sind. Andere Ansätze sind empirisch-analytisch: Welche regulatorischen Mechanismen wurden in der Vergangenheit ergriffen, wie sind sie entstanden – und was haben sie bewirkt? Eine dritte Gruppe von Forschern analysiert das Wechselspiel zwischen Regulierung und dem Verhalten der Marktteilnehmer: Wenn jene, die von Maßnahmen betroffen sind, unerwartet reagieren, kann das Ziel verfehlt werden.

 
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