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Prof. Dr. Svante Pääbo

Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie, Leipzig

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Vergleichende Genomik

Das gesamte Erbgut einer Spezies, Genom genannt, lässt sich dank neuer Techniken immer leichter entziffern. Der Vergleich des menschlichen Genoms mit dem unserer nächsten Verwandten soll offenbaren, wie spezifisch menschliche Eigenschaften entstanden. Zu wissen, was genau uns von anderen Spezies unterscheidet, hat auch praktischen Nutzwert – zum Beispiel für die Medizin.

Wie ein aufgeschlagenes Buch liegt das vollständige Erbgut des Menschen heute vor uns. Auch die Genome unserer nächsten lebenden Verwandten, der Menschenaffen, sind inzwischen zumindest grob entziffert. Und selbst über einen unserer nächsten, längst ausgestorbenen Verwandten – den Neandertaler – werden immer mehr genetische Geheimnisse gelüftet. All diese Erkenntnisse helfen uns, eine Reihe zentraler Fragen über die Natur des Menschen zu beantworten: Welche Gene definieren die biologische Spezies Homo ­sapiens? Was ist die Grundlage typisch menschlicher Eigenschaften wie Denken, Sprache und Kultur? Und welche Defekte führen zu Störungen wie Autismus oder Schizophrenie?

ABSTAMMUNG VOM AFFEN

Was die Gene heute lebender oder ausgestorbener Verwandten über den Menschen verraten, beschäftigt Forscher auf dem Gebiet der vergleichenden Genomik. Dasjenige Primatenerbgut, das sie bei Weitem am besten kennen, stammt vom Menschen1,2; die Genome von Schimpanse, Gorilla, Orang-Utan und Rhesusaffe sind dagegen erst teilweise entziffert3,4. In den kommenden Jahren sollen deshalb die Erbinformationen der wichtigsten Tieraffenarten sowie der Menschenaffen genauso exakt entziffert werden wie die des Menschen. Auf dieses Wissen aufbauend lassen sich dann detaillierte Vergleiche anstellen.

<b>Bild 1</b> | Stammbaum von Mensch und Menschenaffe Bild vergrößern
Bild 1 | Stammbaum von Mensch und Menschenaffe

Um zu den stammesgeschichtlichen Wurzeln des Menschen zu gelangen, müssen wir fünf bis sieben Millionen Jahre in die Vergangenheit blicken (Bild 1). Damals lebten die letzten gemeinsamen Vorfahren, die wir mit dem Gemeinen Schimpansen und dem Bonobo (Zwergschimpansen) teilen. Vor sechs bis acht Millionen Jahren hatten sich die Wege dieser Ahnen vom Gorilla getrennt. Und noch einige Zeit früher, nämlich vor rund zwölf bis 16 Millionen Jahren, kam es zur Abspaltung vom Orang-Utan.

Mensch und Schimpanse sind so nah verwandt, dass Biologen sie zur selben Familie der Hominiden zählen. Nach der Trennung des Menschen von der Schimpansenlinie tauchten zahlreiche menschenartige Spezies auf (Homininen). Sie sind bis auf Homo sapiens inzwischen alle ausgestorben. Darunter auch der Neandertaler, mit dem wir vor etwa 400 000 bis 500 000 Jahren letzte gemeinsame Vorfahren teilten. Er lebte in Europa und im westlichen Asien, teils gleichzeitig und in unmittelbarer Nachbarschaft zu unseren direkten Ahnen. Vor rund 30 000 Jahren verschwand er.

 
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