Prof. Dr. Martin Wikelski
Max-Planck-Institut für Ornithologie, Teilinstitut Radolfzell, RadolfzellTelefon: +49 7732 1501-62
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Die Natur verändert sich permanent. Großen Einfluss darauf hat der Mensch. Durch großflächige Rodung, Bebauung oder die Nutzung fossiler Brennstoffe etwa trägt er nach Ansicht vieler wesentlich zum globalen Klimawandel bei. Im Zuge dessen verändern sich auch ganze Ökosysteme1. Zahlreiche Tier- und Pflanzenarten sowie spezielle Lebensformen gehen für immer verloren.
Doch der Mensch ist andererseits auf gut funktionierende Ökosysteme mit hoher biologischer Vielfalt angewiesen. Denn die meisten von ihnen leisten uns wichtige Dienste, indem sie für Trinkwasser oder saubere Luft sorgen2. Dafür verantwortlich sind nicht zuletzt die beteiligten Arten – als so genannte Ökosystem-Ingenieure3. Viele der zu Grunde liegenden Zusammenhänge und ihre Bedeutung für den Menschen verstehen wir allerdings immer noch zu wenig. Deshalb gilt es, die Grundmuster zu begreifen, die zur Biodiversität, ihrer Entwicklung und ihrem Weiterbestand beitragen. Erst dieses Wissen wird uns erlauben, aus der Lebensvielfalt den besten Nutzen zu ziehen und vorherzusagen, wie Ökosysteme und Arten auf den Wandel ihrer Umwelt reagieren. Die Arten (Spezies) eines Ökosystems hängen in komplizierter Weise voneinander ab, doch ein Großteil der eng verflochtenen Beziehungen ist noch gar nicht erforscht. Um davon im globalen Maßstab ein möglichst umfassendes Bild zu gewinnen, sollten wir mit wissenschaftlichen Untersuchungen am besten dort anfangen, wo schon viele Erkenntnisse zusammengetragen wurden: Das Reich der Vögel mit seinen rund 9800 Arten eignet sich dafür hervorragend4.
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Von keiner anderen Organismengruppe kennen wir die stammesgeschichtlichen Entwicklungslinien und die Beziehungen zu anderen Arten so gut5. Die Verbreitung vieler Vogelarten können wir inzwischen weltweit kartieren (Bild 1); auch wissen wir viel über ihre Populationsdichten und -dynamiken sowie ihre Lebenszyklus-Strategien6. Außerdem gibt es bereits viele Daten dazu, wie sich Umweltveränderungen auf die Verbreitung einzelner Vogelarten auswirken7 (Bild 2). Das erlaubt Vorhersagen zu den Folgen zukünftiger menschlicher Eingriffe. Vögel stellen somit ideale Biomarker dar. Wegen ihrer Mobilität und des häufigen Kontakts zu Menschen gelten sie als eine Art globales Frühwarnsystem in Sachen Umweltbedrohungen.