Prof. Dr. Linda Partridge
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Dr. Christine Lesch
»Hätte ich gewusst, dass ich so lange lebe, hätte ich besser auf meine Gesundheit geachtet«, soll der amerikanische Ragtime-Komponist und Pianist Eubie Blake (1883–1983) an seinem 100. Geburtstag gesagt haben, fünf Tage vor seinem Tod. Ein so hohes Alter in körperlicher und geistiger Frische zu erreichen – geht das überhaupt? Schließlich ist Altern ein natürlicher Vorgang, bei dem sich Schäden in Molekülen, Zellen und Geweben des Körpers anhäufen – mit schwer wiegenden Folgen: Die Funktionsfähigkeit lässt nach, und das Sterberisiko steigt. In den Industrieländern ist das Alter heute der Hauptrisikofaktor für Krebs, neurodegenerative Leiden und Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Sie rangieren auf Spitzenplätzen auf der Liste der häufigsten Todesursachen.
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>> Hätte ich gewusst, dass ich so lange lebe, hätte ich besser auf meine Gesundheit geachtet
Genauere Kenntnisse der Mechanismen des Alterns sollten es Forschern ermöglichen, diese Krankheitslast in Zukunft wenigstens zu mindern. Insbesondere können neue Erkenntnisse dazu beitragen, Medikamente und Maßnahmen zu entwickeln, die Alterserscheinungen und altersbedingten Erkrankungen vorbeugen oder diese verzögern1,2. In den letzten Jahren ist die Altersforschung tatsächlich ein großes Stück vorangekommen. Die wohl aufregendste Entdeckung machten Wissenschaftler an Labortieren: Gewisse Mutationen einzelner Gene können demnach die gesunde Lebensspanne deutlich verlängern.
In der Grundlagenforschung dienen Fadenwürmer, Fruchtfliegen oder Mäuse als Modellorganismen. Dies bietet sich an, weil viele biochemische Signalwege – quer durch den tierischen Stammbaum bis zum Menschen – ähnlich blieben3,4. Die Forscher profitieren zudem von vergleichenden Untersuchungen zur Alterungsrate verschiedener Organismen und von so genannten genetischen Assoziationsstudien in Populationen. Beim Menschen wurde zum Beispiel auch experimentell untersucht, wie sich Ernährung und körperliche Aktivität auf den Prozess auswirken5. Hingegen sind klinische Studien zum Altern selten – vor allem wegen des Zeitaufwands.
Altern erwies sich bei all diesen Forschungen als der wichtigste Risikofaktor für zahlreiche Erkrankungen6–10. Wenn Wissenschaftler mit gewissen experimentellen Maßnahmen Labortiere vor Alterungseffekten schützen und deren Lebensspanne verlängern konnten, dann trat bei diesen Organismen eine Reihe von altersassoziierten Funktionseinbußen und Krankheiten später oder in abgemilderter Form auf. Somit dürfte die Entwicklung von Medikamenten prinzipiell möglich sein, die auf breiter Front Alterserkrankungen vorbeugen – nicht bloß einer einzelnen Störung, wie gegenwärtig noch üblich.