Prof. Dr. Nils Brose
Max-Planck-Institut für experimentelle Medizin, GöttingenTelefon: +49 551 3899-725
Fax: +49 551 3899-715
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Prof. Dr. Dr. Dr. h.c. Florian Holsboer
Max-Planck-Institut für Psychiatrie, MünchenTelefon: +49 89 30622-220
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Viele Millionen Menschen leiden unter psychiatrischen Störungen wie Schizophrenie. Ob es jemanden trifft, hängt auch von seinem Erbgut ab – genauer gesagt davon, in welcher speziellen Variante bestimmte Gene vorliegen. Daher versuchen Genetiker, die biologischen Ursachen solcher Störungen aufzudecken. Hierzu verfolgen sie vor allem zwei Ansätze1: Zum einen erfassen sie in genomweiten Assoziationsstudien das Erbgut von sehr vielen Menschen mit einer bestimmten psychiatrischen Erkrankung und vergleichen es mit jenem von Gesunden (Bild 1). Auf diese Weise identifizierten sie bereits eine Reihe von »Kandidatengenen« – relativ verbreitete Varianten von Erbfaktoren, die jeweils geringfügig zu einer Störung beitragen könnten.
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Zum anderen suchen Wissenschaftler bei kleinen Gruppen verwandter Patienten nach seltenen genetischen Varianten, die das Erkrankungsrisiko entscheidend oder sogar allein prägen. Autismusforscher deckten so bereits Gene auf, die steuern, wie Neurone sich untereinander verknüpfen2,3. Bei Problemen wie Angst- oder Stimmungsstörungen, die stark von Umwelteinflüssen abhängen, führen diese Vorgehensweisen allerdings nicht weit. Zudem ist das Identifizieren einer Genvariante meist nur der erste Schritt. Dann müssen Forscher etwa untersuchen, inwiefern das Gen in ein Protein umgesetzt wird, wie dieses mit anderen Proteinen zusammenwirkt und welche Rolle der Stoffwechsel sowie verschiedene (Neuro-)Hormone dabei spielen.
Psychiatrische Krankheiten sind komplexe Phänomene. So weisen Patienten mit derselben Störung oft unterschiedliche Symptome auf – sogar eineiige Zwillinge. Andererseits können identischen klinischen Anzeichen unter Umständen verschiedene Krankheiten zu Grunde liegen. Um psychiatrische Störungen in Zukunft zuverlässiger zu diagnostizieren, wollen Ärzte auf so genannte Biomarker zurückgreifen – beispielsweise die Konzentration bestimmter Stoffe im Blut.
Neue Biomarker für psychiatrische Krankheiten werden zunehmend an Bedeutung gewinnen, nicht nur für die Diagnose sowie die Auswahl der richtigen Therapie, sondern auch, um Beginn und Verlauf der Störung, etwaige Verbesserungen sowie Rückfälle präziser zu erfassen. Bislang sind jedoch meist hochkomplexe Technologien nötig, um molekulare Unterschiede zwischen Kranken und Gesunden zu bestimmen. Bei großen Patientengruppen lassen sie sich nur schwer anwenden. Abhilfe kann hier nur der technische Fortschritt auf mehreren Fachgebieten schaffen.