Dr. Juliane Bräuer
Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie, LeipzigTelefon: +49 341 3550-413
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Der Versuchsaufbau für die Studie im Hundebungalow, mit dem Bräuer und Kaminski herausfinden wollten, ob Hunde wissen, was andere sehen können, war vergleichsweise einfach: Zu Beginn des Durchgangs wurde dem Hund ein Leckerli vor die Füße gelegt. Der Mensch verbot dem Hund das Fressen mit dem üblichen Kommando. Anschließend variierten die Menschen ihr Verhalten: Einmal drehte sich der Mensch einfach nur weg; dann verließ er ganz den Raum; und einmal saß er auf einem Stuhl und beschäftigte sich mit einem Gameboy-Spiel. „In jedem Fall war seine Aufmerksamkeit nicht auf den Hund gerichtet“, beschreibt Kaminski die wichtigste Bedingung in dieser Studie. Nur in der Kontrollbedingung schaute der Mensch den Hund an. Jeder Durchgang dauerte exakt drei Minuten.
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„Zugegeben, das war kein besonders angenehmer Test für einen gut erzogenen Hund“, räumt Bräuer ein, „aber schließlich konnte er sich in der richtigen Situation über das Verbot hinwegsetzen. Genauso wie es mein Hund damals im Park getan hat.“ Tatsächlich verhielten sich Moras Artgenossen genauso. Statt also brav dazusitzen und den bloßen Ausblick auf das Leckerli zu genießen, klauten sie das Futter fast immer, wenn sie sich unbeobachtet fühlten, und so gut wie nie, wenn der Mensch sie ansah.
„Aus diesen Versuchen können wir schließen, dass Hunde offensichtlich auseinanderhalten können, ob ein Mensch sie ansieht oder nicht, und dass sie sich entsprechend unterschiedlich verhalten“, sagt Juliane Bräuer. Besonders interessant sei aber, dass sie sogar zwischen offenen und geschlossenen Augen unterscheiden können – eine bemerkenswerte Fähigkeit.
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Doch allein diese Ergebnisse wollten die beiden Forscherinnen noch nicht als Beweis dafür werten, dass Hunde in solchen Situationen tatsächlich verstehen, was ein Mensch sehen kann oder nicht. Schließlich könnte es ja auch sein, dass die Hunde einfach nur auf die Augen ihres Partners reagierten, weil sie gelernt haben, dass er immer dann aufmerksam ist, wenn seine Augen zu sehen sind. Um herauszufinden, ob Hunde nun diesen kognitiven Perspektivwechsel hinbekommen oder nicht, setzten die beiden Forscherinnen eine weitere Versuchsreihe an. Diesmal als Spielsituation mit zwei Spielzeugen, die sie auf den Boden zwischen Mensch und Hund platzierten. Vor jedes Spielzeug stellten sie je eine Barriere: eine undurchsichtige, die dem Menschen den Blick auf das Spielzeug versperrte; die andere war transparent, sodass er den Gegenstand sehen konnte. Für den Hund, der auf der anderen Seite saß, waren beide Objekte gleichermaßen sichtbar.