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Dr. Juliane Bräuer

Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie, Leipzig

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E-Mail: jbraeuer@­eva.mpg.de

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Kognitionsforschung . Verhaltensbiologie

Was Hunde über den Menschen verraten

Im Lauf der Jahre haben die beiden Forscherinnen besonders talentierte Hunde kennengelernt. Diese sind nicht nur sehr gut im Interpretieren von menschlichen Gesten und Blicken, sondern verfügen auch über einen frappierenden passiven Wortschatz. „Manche sind in der Lage, mehrere hundert Objekte anhand ihres Namens zu unterscheiden“, so Kaminski. Ungeschlagener Meister dieser Disziplin war Rico, ein neunjähriger Border Collie. Er konnte mehr als 200 verschiedene Spielzeuge anhand ihres Namens erkennen und zuordnen.

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Hunde bringen nicht nur Dinge, die ihnen mit Namen genannt werden, sie können auch über ein Ausschlussverfahren Bekanntes von Unbekanntem separieren und so neue Worte lernen. Auf Wunsch apportieren sie auch Dinge, die ihnen als Foto oder Modell gezeigt werden. [weniger]

In einer Studie untersuchten Kaminski und ihre Kollegen, ob Rico Namen für neue Spielzeuge über ein Ausschlussverfahren lernen könne. Dazu verteilten sie neue und bekannte Spielzeuge in einem Raum, während der Border Collie mit seiner Besitzerin im Nebenraum wartete. Nun wurde er aufgefordert, ein Spielzeug zu bringen, dessen Namen er noch nie gehört hatte und das er auch noch nicht kannte. Tatsächlich löste Rico auch diese Aufgabe auf Anhieb und wedelte damit ganz nebenbei eine weitere Alleinstellungstheorie vom Tisch. Denn auch diese Art, Begriffe zu lernen – das fast-mapping –, galt bis dato als exklusive Fähigkeit des Menschen.

Wie weitere Versuche zeigten, war Rico zwar ein sprachliches Supertalent, aber durchaus nicht der einzige Hund mit dieser Begabung. Auch andere Vertreter seiner Art kamen beinahe an seinen Wortschatz heran. Dass die besten Ergebnisse dabei von anderen Border Collies erzielt wurden, gibt den Forscherinnen zu denken. Ob diese besonders talentierten Hunde alle der Rasse der Border Collies angehören, ist eine spannende, jedoch noch offene Frage, sagt Susanne Mauritz. „Allerdings vermeiden wir den Begriff der Intelligenz, wenn wir über unsere Studien reden.“

Vielmehr geht es darum, herauszufinden, was eine Tierart an besonderen kognitiven Fähigkeiten mitbringt, die sie für ihr Überleben braucht. Und damit handelt es sich vor allem um Fragen der Spezialisierung und evolutionären Anpassung. Zum Beispiel zeigten in den Studien zur Mensch-Hund-Kommunikation die Hunde zwar meist bessere Resultate als andere Tierarten, taten sich aber dagegen vergleichsweise schwer bei Versuchen, bei denen soziales Lernen durch Nachahmung oder das Lösen von Problemen durch das Verständnis kausaler Zusammenhänge gefragt waren.

Gerade bei letzteren Versuchen schnitten die Menschenaffen wiederum sehr gut ab. Als die Forscher den Becher mit der Belohnung schüttelten, war den Affen sofort klar, dass da was drin sein musste. Dagegen konnten die Hunde nicht von dem Geräusch auf den Inhalt schließen. „Diese Ergebnisse lassen sich einfach erklären. Sie verdeutlichen, in welcher Umwelt die beiden Arten überleben müssen“, erklärt Juliane Bräuer. Wegen der in einer Affengruppe herrschenden großen Futterkonkurrenz würde es einem Affen nicht im Traum einfallen, einem anderen eine Futterquelle zu zeigen. Dagegen ist kausales Verständnis bei der Nahrungssuche im Urwald hilfreich. So können die Tiere durch Schütteln herausfinden, ob es sich lohnt, die Nuss zu knacken.

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Border Collies wie Rico sind Ausnahme-Begabungen. Ob auch andere Hunderassen ähnliche Fähigkeiten haben, ist noch unklar. [weniger]

Hunde müssen sich wiederum um Nahrungssuche und ähnliche Probleme nicht kümmern. Sie leben mit dem Menschen zusammen und bekommen von ihm, was sie brauchen. Dazu ist es aber von Vorteil, sich möglichst gut mit ihm zu verstehen. Auf diese Weise haben sich Hunde in den vergangenen 15000 Jahren zu echten Kommunikationsprofis entwickelt.

Besonders interessieren sich die Leipziger Forscher jedoch für jene kognitiven Begabungen von Hunden, die man sonst nur beim Menschen findet – wie etwa das Verständnis von Zeigegesten. „Vielleicht können uns diese besonderen Fähigkeiten der Hunde sogar Auskunft über unsere eigene Entwicklung geben“, hofft Bräuer. „Etwa darüber, was bei uns Menschen die natürliche Selektion beeinflusst haben könnte. Wir haben höchstwahrscheinlich die freundlichen aufmerksamen Hunde gefördert, die mit uns Kontakt aufnahmen. Vielleicht haben sich auch bei der Entwicklung des Menschen die freundlichen Individuen durchgesetzt und somit die beim Menschen sehr ausgeprägte Kooperationsbereitschaft hervorgebracht.“

Noch sei es reine Spekulation, ob sich aus den Fähigkeiten der Hunde solche Schlussfolgerungen ziehen lassen. Vielleicht aber tragen die Arbeiten der Max-Planck-Wissenschaftler tatsächlich dazu bei, auch etwas über uns zu erfahren.

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Kognition bedeutet Erkenntnisvermögen. Sie bezeichnet mentale Prozesse eines Individuums wie Gedanken, Meinungen, Wünsche und Absichten, aber auch informationsverarbeitende Vorgänge wie Problemlösen und Sprache. Diese Vor-gänge befähigen ein Individuum etwa dazu, sein Verhalten flexibel anzupassen und aus der Auseinandersetzung mit der Umwelt zu lernen.

Ontogenese

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Das Wolfgang-Köhler-Primaten-Forschungszentrum („Pongoland“) ist ein Projekt des Max-Planck-Instituts für evolutionäre Anthropologie und in den Leipziger Zoo integriert. Die Forschung konzentriert sich in erster Linie auf Verhalten und Wahrnehmungsfähigkeit der vier Menschenaffenarten Schimpanse, Gorilla, Orang-Utan und Bonobo. Die Zoobesucher haben die Möglichkeit, die Tiere nicht nur in den Außen- und Innengehegen zu beobachten, sondern können außerdem einen Blick auf die Arbeit der Wissenschaftler werfen.

 
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