Ansprechpartner

Dr. Juliane Bräuer

Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie, Leipzig

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Kognitionsforschung . Verhaltensbiologie

Hunde können Gedanken lesen

7. Dezember 2009

„Ich sehe was, was du nicht siehst“ – für Kognitionsforscher ist dieser Zeitvertreib alles andere als ein Kinderspiel. Denn er setzt voraus, dass sich derjenige, der an der Reihe ist, vorstellen kann, was die anderen sehen können und was nicht. Aber gilt das auch für Tiere wie Affen oder gar Hunde? Am Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie in Leipzig erforschen Wissenschaftler die sozialen Erkenntnismöglichkeiten verschiedener Tierarten.

Text: Birgit Fenzel

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Hunde bringen nicht nur Dinge, die ihnen mit Namen genannt werden, sie können auch über ein Ausschlussverfahren Bekanntes von Unbekanntem separieren und so neue Worte lernen. Auf Wunsch apportieren sie auch Dinge, die ihnen als Foto oder Modell gezeigt werden. [weniger]

Die Kunst des Gedankenlesens hat einen wissenschaftlichen Namen: Theory of Mind. Über sie begreifen Menschen andere Menschen als Individuen mit eigenen Wahrnehmungen, Gefühlen und Gedanken und können sich danach vorstellen, was im anderen vorgeht. Für Forscher gehört die Theory of Mind zu den Grundlagen des Lernens und Lehrens und somit auch zur Entstehung von Kultur – man denke nur an die Rolle, die Nachahmung und Imitation, Zeigen und Vorführen für die Weitergabe von Wissen oder beim Spracherwerb spielen.

Lange Zeit ging man davon aus, dass die Theory of Mind eine originär menschliche Fähigkeit sei, die sich im Verlauf der Evolution entwickelt hat. Doch konnten Wissenschaftler um Michael Tomasello in der Abteilung für vergleichende und Entwicklungspsychologie am Leipziger Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie beobachten, dass auch Schimpansen einige Schlüsselaspekte dieser Fähigkeit, Perspektiven und Absichten anderer wahrzunehmen, vorweisen.

Um herauszufinden, was Affen über die Wahrnehmungen ihrer Gruppengenossen wissen, hatte der Psychologe Josep Call den ausgeprägten Futterneid der Bewohner des Affenhauses im Pongoland ausgenutzt und Obststückchen im Gehege verstecken lassen. Tatsächlich trauten sich die niedrigeren Ränge nur an die Extraportion, wenn sie zuvor gesehen hatten, dass das Alphamännchen weder das Verstecken mitbekommen noch das Futter im Blickfeld hatte.

 
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