Prof. Dr. Stefan W. Hell
Direktor
Max-Planck-Institut für biophysikalische Chemie, GöttingenTelefon: +49 551 201-2500
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Seine Kindheit verbringt Stefan Hell in einer deutschsprachigen Ortschaft nahe der rumänischen Stadt Arad, im Banat, einer Region an der Grenze zu Ungarn. Dort wird er 1962 geboren und besucht ein deutschsprachiges Gymnasium mit Spezialklassen für Mathematik und Physik. Seine Eltern, ein Ingenieur und eine Grundschullehrerin, fördern seine Begabung in Naturwissenschaften. Das hatte auch praktische Gründe, meint Hell. Geschichte oder Literatur seien sehr von kommunistischer Ideologie gefärbt gewesen. Die Naturwissenschaften hingegen hätten unabhängig davon Bestand, und man könne mit ihnen überall etwas anfangen. „Bei uns war niemand Kommunist“, sagt Hell, „und meine Eltern und Großeltern hatten erlebt, dass sich politische Systeme und öffentliche Meinungen schnell ändern können.“ Außerdem ist den Angehörigen der deutschen Minderheit schon in den 1970er-Jahren klar: Wenn man die Chance hat, zu gehen, dann geht man.
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Die Chance tut sich 1978 auf und die Familie siedelt nach Ludwigshafen um. Die Eltern finden dort Arbeit, und auch der begabte Schüler hat es nicht schwer, sich in der neuen Umgebung einzuleben. Er ist nicht nur der Beste in Mathe und Physik, sondern auch in Deutsch. Linguistik und Ethymologie wurden zu einer Art Hobby, für das er sich heute noch begeistert. „Auch da wollte ich erkennen, wie Wörter aus verschiedenen germanischen Sprachen zusammenhängen, wie sich Lautverschiebungen in verschiedenen deutschen Dialekten entwickelt haben.“
Zusammenhänge zu erkennen, darum geht es ihm auch im Physik-Studium: „Ehrlich gesagt habe ich Leute, die auswendig gelernt haben, immer ein wenig verachtet“, gesteht Hell. Zum Studium geht er nach Heidelberg, wo er auch seine Promotion abschließt. Nun wendet sich Stefan Hell mit seinem Ansinnen, die Auflösung der Lichtmikroskopie aufs Korn zu nehmen, an seinen Doktorvater. Doch für einen auf Tieftemperaturphysik ausgerichteten Lehrstuhl ist das Thema Optik zu abseitig.
Ohne einflussreichen Fürsprecher nimmt er die Sache selbst in die Hand. Für ein paar Monate verkriecht er sich ins stille Kämmerlein und entwickelt die Grundzüge für das 4Pi-Mikroskop zur Patentreife. Mit 10 000 D-Mark, die ihm seine Großeltern nach der Dissertation als Startkapital geschenkt hatten, meldet Hell schließlich ein Patent an. „Ich dachte, es könnte kommerziell relevant werden“, sagt er. „Außerdem konnte jeder sehen, dass die Idee von mir ist. Das war wichtig, denn ich hatte ja kein Paper und sonst auch nichts, um Leute zu überzeugen, mir eine Chance zu geben.“