Prof. Dr. Stefan W. Hell
Direktor
Max-Planck-Institut für biophysikalische Chemie, GöttingenTelefon: +49 551 201-2500
Fax: +49 551 201-2505
E-Mail: shell@gwdg.de
Hell eilt ins Institut und macht die ersten Abschätzungen für ein neues Mikroskopieprinzip. Schnell ist ihm klar: Die Auflösung würde mindestens auf 30 Nanometer sinken. Ein Zehntel des bisherigen Limits. „Das war damals eine Sensation, gedanklich zumindest. Aber mir war auch schon klar: Prinzipiell ist das nach unten unbegrenzt“, erinnert sich Hell an den wohl aufregendsten Moment in seinem beruflichen Leben. Für den Rest des Wochenendes brodelt es in dem Forscher. „Ich saß da eineinhalb Tage allein mit diesem komischen Gefühl: Ich weiß wahrscheinlich etwas, was kein anderer weiß und was sehr wichtig werden könnte.“ Er denkt alles noch einmal durch, schreibt es auf, macht ein paar grobe Simulationen am Rechner.
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Am Montagmorgen kann er endlich den Kollegen und seinem Chef davon berichten. „Er hat mich angeguckt, und ich habe keinerlei Reaktion in seinem Gesicht gesehen“, erinnert sich Hell. Die Finnen, die seien ja eher verhalten, meint er verständnisvoll, redeten sowieso nicht viel. „Dann habe ich gesagt: ‚It works, it works!’ Und er entgegnete trocken: ‚On paper.’“ Damit hatte er natürlich recht. Erst einmal funktionierte das alles nur auf dem Papier.
Knappe 16 Jahre später sitzt Stefan Hell an einem sonnigen Tag in seinem geräumigen Büro im Max-Planck-Institut für Biophysikalische Chemie in Göttingen. Er ist einer der Institutsdirektoren und leitet die Abteilung NanoBiophotonik. Das Telefon klingelt. NATURE, ein weltweit führendes Fachmagazin, will einen Artikel über Hell und sein Mikroskop bringen und braucht die neuesten Bilder. Ein Kollege aus der Industrie möchte noch Details für einen gemeinsamen BMBF-Antrag besprechen, es eilt. Stefan Hell ist ein gefragter Mann.
Gelassen sitzt der Mittvierziger in schwarzer Jeans und weißem Hemd am Besprechungstisch. Der Rasierer hat den letzten Haaren den Garaus gemacht, die vollen Lippen lachen gerne in seinem freundlichen Gesicht, aus dem wache Augen durch eine randlose Brille blicken. Der Mann ist angekommen.
Inzwischen ist Stefan Hells neuartiges Mikroskop langsam erwachsen geworden. In seinen Laboren produziert es faszinierende Bilder von Zellen und Neuronen und zeigte erstmals die Fusion von einzelnen Bläschen mit Nervenbotenstoffen mit der Nervenendung. Die ersten Varianten kann man kaufen, sie leisten Biologen und Medizinern bereits wertvolle Dienste bei ihrer Suche nach molekularen Ursachen von Krankheiten oder der Wirkweise von Medikamenten. Eigentlich müsste man das Gerät Nanoskop nennen, angesichts einer Detailgenauigkeit von aktuell etwa 15 Nanometer, die so kaum jemand für möglich gehalten hatte.