»Was die Zukunft betrifft, so ist es nicht unsere Aufgabe, sie vorauszusehen, sondern sie zu ermöglichen.« (Antoine de Saint-Exupéry, 1900–1944)
Die Erkenntnisse der Grundlagenforschung und die Themengebiete, die sie erschließt, prägen kommende Zeiten. So ist beispielsweise die Entschlüsselung des menschlichen Proteoms nur ein erster Schritt zu ganz neuen Methoden, mit denen in Zukunft Krankheiten präzise diagnostiziert und damit individuelle Therapien möglich werden.
Die Max-Planck-Gesellschaft hat die Aufgabe, an den Grenzen des Wissens zu forschen. Daher beobachten wir immer besonders aufmerksam, wo sich Forschungsbereiche dynamisch entwickeln und neue wissenschaftliche Herausforderungen mit sich bringen. Diese viel versprechenden Themen können die Basis darstellen für neue Berufungen oder für die Erweiterung der laufenden Arbeit an den Instituten. Einige wenige führen zu Institutsgründungen – ein Beispiel ist das Max-Planck-Institut für die Physik des Lichts – und etablieren somit neue Wissenschaftszweige.
Um einen Einblick zu geben, welche Gebiete die Max-Planck-Gesellschaft als besonders zukunftsträchtig einschätzt, wurde die Reihe der Forschungsperspektiven begründet. Mit dieser Ausgabe legen wir sie nun zum dritten Mal vor. 2010+ wagt wiederum den Vorstoß über bekannte Horizonte hinaus. Schließlich ist es genau der Charakter der Grundlagenforschung, Unbekanntes zu ergründen.
Neu ist, dass wir dieses Jahr erstmals nicht nur eine gedruckte Ausgabe erstellen, die sich besonders an Politik, Medien und Öffentlichkeit richtet, sondern zugleich eine Version im Internet. Sie ist fachlich tiefer gehend und wendet sich damit vor allem an die Wissenschafts-gemeinde. Wir wollen eine Plattform schaffen, um die Themenideen aktuell zu halten und voranzutreiben, auch mit dem Ziel, auf diese Weise neue Gebiete für die Wissenschaft und für die Max-Planck-Gesellschaft zu erschließen.
Die Broschüre beschreibt Themenfelder, die unsere Institute an der vordersten Front der Wissenschaft bearbeiten und die großes Potenzial besitzen. Diese Wissenschaftsbereiche be- finden sich teilweise selbst in einer Periode rasanter Umbrüche und Paradigmenwechsel. Trei- bende Kraft ist oft die interdisziplinäre Erweiterung, die zu neuartigen und unerwarteten Ergebnissen führt.
Die wissenschaftlichen Herausforderungen verdeutlichen auch, dass die Grundlagenforschung nicht nur wegen ihres kulturellen Beitrags und des damit verbundenen Erkenntnisgewinns wertvoll ist – sie ist zugleich der zentrale Innovationstreiber. Das Wissen, das über die Gesetzmäßigkeiten in Natur und Gesellschaft, über Strukturen und Zusammenhänge gewonnen wird, schafft die Basis für umwälzende Neuerungen. Auf die Erkenntnisse aus dieser Forschung wird die Welt von morgen und übermorgen bauen.
>> Auf die Erkenntnisse aus der Grundlagenforschung wird die Welt von morgen und übermorgen bauen
So spielt die Grundlagenforschung eine wesentliche Rolle, um – im Sinne Saint-Exupérys – die Zukunft zu ermöglichen.

Peter Gruss
Präsident der Max-Planck-Gesellschaft